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Kieler Stolpersteine IV

von kamuckel&bohrsty     Deutschland > Schleswig-Holstein > Kiel, Kreisfreie Stadt

N 54° 19.546' E 010° 07.638' (WGS84)

 andere Koordinatensysteme
 Größe: mikro
Status: kann gesucht werden
 Zeitaufwand: 1:00 h   Strecke: 2.5 km
 Versteckt am: 15. Juni 2014
 Veröffentlicht am: 15. Juni 2014
 Letzte Änderung: 10. August 2014
 Listing: http://opencaching.de/OC102F6

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Listing

Beschreibung   

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Eine Liste aller "Kieler Stolpersteine"-Caches

 

Wichtig für alle Cacher, die sich durch das zugegebenermaßen recht lange Listing abgeschreckt fühlen: es ist NICHT notwendig, das komplette Listing zu lesen. Es soll nur Hintergrundinformationen zu den einzelnen Stolpersteinen geben. Die Fragen zu den Stationen findet ihr auch unten bei den zusätzlichen Wegpunkten.

 

Die „Stolpersteine" sind ein Projekt des Kölner Künstlers Gunter Demnig (*1947). Die in Fußwege eingebetteten Gedenksteine halten die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus - jüdische Bürger, Sinti und Roma, politisch Verfolgte, Homosexuelle, Zeugen Jehovas und „Euthanasie"-Opfer - wach. Jeder Stolperstein ist einem Menschen gewidmet, der durch nationalsozialistische Gewalt zu Tode kam. Seit 2003 hat Gunter Demnig in über 500 Städten und Gemeinden in Deutschland und mehreren Ländern Europas über 27.000 Steine verlegt.

Demnigs Intention ist es, den Opfern ihre Namen zurückzugeben:
„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist."

Auf den etwa zehn mal zehn Zentimeter großen Stolpersteinen sind kleine Messingplatten mit den Namen und Lebensdaten von NS-Opfern angebracht. Sie werden vor dem letzten bekannten und frei gewählten Wohnort in das Pflaster des Gehweges eingelassen. Finanziert werden die Stolpersteine durch private Spenden. (...)

[Quelle: http://www.kiel.de/kultur/stadtgeschichte/stolpersteine/kunstprojekt.php]

Die folgenden Informationen zu den einzelnen Opfern nationalsozialistischer Gewalt sind allesamt zu finden unter: http://www.kiel.de/kultur/stadtgeschichte/stolpersteine/dokumentation.php

 

 

1. Station N54° 19.546 E10° 7.638:

Der Stolperstein von Sara und Simon Winzelberg

Zur Familie Winzelberg gehörten das Ehepaar Simon, geb. am 18.4.1883 in Chrzanow / Galizien, und Sara Rosa (geb. Mandelberger), geb. am 12.5.1886 in Dobczyce / Polen, mit ihren Töchtern Maria (*1908) und Rosi (*1914) sowie ihren Söhnen Abraham (*1910) und Moses (*1912). Alle Familienmitglieder besaßen die polnische Staatsangehörigkeit.

Simon Winzelberg zog im Dezember 1921 von Amsterdam nach Kiel, Sara Rosa und die Kinder folgten im Januar 1922. Sie wohnten zunächst im Knooper Weg 48a, ab November 1931 in der Klopstockstraße 1. Simon führte bis 1930 ein Kurzwarengeschäft, danach einen Textilwarenhandel, ab 1934 erneut ein Kurzwarengeschäft. Die Familie gehörte zu den wohlhabenden jüdischen Familien Kiels. Ihr Vermögen ermöglichte ihr die spätere Emigration, die jedoch endgültig nur ihren Kindern gelang.

Auch die Winzelbergs waren Opfer der gescheiterten „Polenaktion vom Oktober 1938. Unmittelbar nach der „Polenaktion“ folgte die nächste Eskalationsstufe der Verfolgung: Während der Reichspogromnacht am 9.11.1938 wurde das Winzelberg-Geschäft demoliert, anschließend wurde die Familie in ihrer Wohnung misshandelt und ihre Bleibe verwüstet. Am 10.7.1939 konnten Sara und Simon nach Brüssel emigrieren und später nach Marseille flüchten.

Am 18.5.1940 wurden sie dort in Haft genommen und in Lagern der Vichy-Regierung interniert. Am 28.8.1942 wurden sie mit dem 25. Transport von Drancy nach Auschwitz deportiert. Wir müssen davon ausgehen, dass beide unmittelbar nach ihrer Ankunft in den dortigen Gaskammern ermordet wurden.

Über ihre vier Kinder und deren Fluchtwege ist bekannt, dass Maria 1938 über Rotterdam nach New York, später nach Israel emigrierte. Ihre Schwester Rosi war bereits 1938 nach Palästina gelangt. Beide Frauen waren noch bis in die letzten Jahre hochbetagt in Jerusalem gemeldet. Abraham wanderte bereits 1936 nach Palästina aus und verstarb dort 2011 mit 101 Jahren. Moses emigrierte 1939 nach Großbritannien, 1946 nach New York und verstarb dort 2006.


An dem Haus, vor dem diese Stolpersteine liegen, hängt ein Straßenschild mit zwei Zahlen drauf. Nehmt die größere der beiden als A.

Gegenüber seht ihr eine Schule. Nach wem wurde diese benannt (Nachname!) ? Addiert die Buchstabenwerte (A=1,...Z=26) zu B.

 

 

2. Station N54° 19.563 E10° 7.666:

Der Stolperstein von Dora Hirsch

Dora Hirsch wurde am 27.7.1868 in Kiel geboren. Sie war nicht verheiratet und lebte im Knooper Weg 46. Ihre Familie war jüdischen Glaubens und so gehörte auch sie seit ihrem Geburtsjahr der israelitischen Gemeinde Kiel an. Ihre Einstellung war liberal, das heißt sie ging nicht oft in die Synagoge und passte sich der nicht-jüdischen Mehrheit an. Mit Mitte 20 arbeitete sie zeitweise als Hilfslehrerin an einer Religionsschule. Sie begeisterte sich aber auch für Musik und gab mit 29 Jahren Klavierunterricht. Seit 1913 betrieb sie ihre erste Pianohandlung im Knooper Weg 46 II, zusammen mit ihrem Partner Richard Schlauch, 1930 kam eine Pianohandlung in der Gasstraße 2 hinzu. Die Geschäfte liefen gut.

Doch alles änderte sich mit der Machtübernahme durch das nationalsozialistische Regime. In der Reichspogromnacht am 9. November 1938 wurde auch das Klaviergeschäft Dora Hirschs zerstört. Obwohl Teilinhaber Schlauch „Arier“ war, machten die Nazis keinen Halt davor, alles zu zertrümmern. Am 31.12.1938 wurde Dora Hirsch gezwungen, ihre Geschäfte wegen der so genannten „Zwangsarisierung“, also der völligen Enteignung jüdischer Geschäfte, aufzulösen. Hilflos musste sie zusehen, wie sie Schritt für Schritt ihrer Ersparnisse, ihres Besitzes und ihrer Rechte beraubt wurde.

Dora Hirsch musste ihre Wohnung im März 1940 verlassen. Sie wurde gezwungen, in den Kleinen Kuhberg 25, in eines der so genannten „Judenhäuser“, zu ziehen. Die Bedingungen dort waren fatal und menschenunwürdig. Ab Juli zog sie weiter in den Feuergang 2, das zweite „Judenhaus“, doch schon ein Jahr darauf, am 6.12.1941, einem Sabbat, musste die nun schon 73-jährige Frau sich im Rathauskeller Kiel für die Deportation nach Riga einfinden, zusammen mit etwa 50 anderen Kieler Juden. Von den grausamen Vorgängen im Rigaer Ghetto haben die Opfer nichts geahnt. Seit dem Transport nach Riga gilt Dora Hirsch als verschollen. Da der Winter 1941/42 einer der kältesten und härtesten war, ist es am wahrscheinlichsten, dass sie den Transport nicht überlebt hat. Die Waggons waren größtenteils unbeheizt, bei -23°. Tagelang stand kein Wasser zur Verfügung. Falls sie den Transport überlebt hat, erwarteten sie Schläge und Gebrüll der in Riga Zuständigen und ein kilometerlanger Fußmarsch auf eisig glatten Wegen. Es gab unzählige Selektionen von „arbeitsuntauglichen“, alten oder kranken Menschen, die unter falschen Vorwänden fortgeschafft und ermordet wurden. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass Dora Hirsch unter solchen Umständen lange überleben konnte.

 

Das imposante Gebäude auf der gegenüberliegenden Straßenseite kommt euch sicherlich von der ersten Aufgabe bekannt vor. Ganz oben im Giebel seht ihr ein bullaugenähnliches Fenster. In wieviele einzelne „Sektionen“ ist das Fenster unterteilt? Anzahl =C

 

 

3. Station N54° 19.581 E10° 7.670:

Der Stolperstein der Metzgers

Zur Familie Metzger gehörten das Ehepaar Isaak Meyer, geboren am 15.6.1894, und Ida (geb. Krapp), geboren am 9.1.1895, mit ihren Söhne Leo und Josef sowie ihrer Tochter Toni.

Isaak Metzger kam ehemalig aus Galizien und zog 1919 nach dem Ersten Weltkrieg vermutlich aus Armutsgründen nach Kiel. Isaak trat als erster 1919 der israelitischen Gemeinde Kiel bei. Ihm folgte Ida 1921. Die Kinder traten automatisch bei ihrer Geburt bei: 1926 wurde Toni geboren, Leo folgte 1927 und Josef wurde als jüngstes Kind 1929 auf die Welt gebracht. Familie Metzger lebte von 1928 bis 1931 in der Hohen Straße 18, 1931 zogen sie dann in den Knooper Weg 48a.

Die meiste Zeit arbeitete Isaak Metzger als Händler/Handelsmann in der Waisenhofstraße 7. Von 1935 bis 1938 war er jedoch durch gesetzlichen Zwang Hausierer mit Manufakturwaren, da die beruflichen und geschäftlichen Möglichkeiten der Juden seit 1933 immer weiter eingeschränkt wurden, bis sich durch den Novemberpogrom am 9.11.1938 das ganze Leben der Metzgers veränderte. Vorangegangen war die „Polenaktion“, die jedoch scheiterte. Im darauffolgenden Jahr, am 15.7.1939, wurde Familienvater Isaak im Polizeigefängnis in „Schutzhaft“ genommen“. Nach Wiederaufnahme der Ausweisungspolitik wollte man an denen ein Exempel statuieren, die nicht auf die Aufforderung, das „Reichsgebiet bis zum 15. Juni 1939 zu verlassen“, reagiert hatten. So wurde Isaak Metzger doch noch nach Polen abgeschoben und gilt ab diesem Zeitpunkt als verschollen. Verschollen zu sein bedeutete nichts anderes, als dass über die Umstände seiner Ermordung/seines Todes nichts bekannt wurde.

Die anderen Familienmitglieder wurden im September nach Leipzig in die zum so genannten „Judenhaus“ umfunktionierte Carlebachschule verschleppt. Ida musste Zwangsarbeit leisten, Leo ging dort zur Schule. Die beiden Geschwister Toni und Josef lebten in einem Kinderheim. In Leipzig entstand eine Art Zwischenlager auf dem Leidensweg der Juden aus Schleswig-Holstein in die Vernichtungslager im Osten. Am 10.5.1942 wurden alle vier nach Belzyce in Polen weiterdeportiert. Belzyce war ein Ghetto, von wo aus die Juden in die drei nahe liegenden Vernichtungslager Sobibor, Majdanek und Budzyn gebracht wurden. Ab diesem Zeitpunkt gelten auch die damals 47-jährige Mutter Ida und die drei Kinder als verschollen. Josef wurde 13 Jahre, Leo 15 Jahre und Toni 16 Jahre alt. Welche Torturen sie erleiden mussten und wie sie ermordet wurden, bleibt unbekannt. Sie hatten ihr Leben noch vor sich.

 

D= Ein drittes Mal schaut ihr auf das große Gebäude gegenüber. Ihr seht einen großen Stein, der vor einem Baum steht. Was ist das für ein Baum?

  1. Ahorn
  2. Birke
  3. Eiche
  4. Kiefer

 

 

4. Station N54° 19.668 E10° 7.921:

Der Stolperstein der Schnells

Moritz Schnell stammte aus Ratzebuhr in Pommern, wo er am 2. Mai 1863 zur Welt kam. Von Kiel aus, wo er seit 1889 als Mitglied der Israelitischen Gemeinde geführt wurde, war er zunächst als Geschäftsreisender tätig. Seine Ehefrau Nanny, geb. Behrens, starb bereits im Jahre 1913. Am Ersten Weltkrieg nahm er als Unteroffizier teil. Gemeinsam mit seinen beiden Töchtern Herta und Else betrieb er in der Wilhelminenstraße 27 einen Großhandel für Parfümerie und Erzeugnisse der Schönheitspflege. Herta Schnell, die ältere der beiden Schwestern, wurde am 30. Juli 1891 in Kiel geboren. Nach einer Tätigkeit als Angestellte der Möbelhandlung Zabel arbeitete Herta Schnell als Prokuristin im Geschäft ihres Vaters, zeitweilig auch in dem ihres Onkels D. Behrens. Auch die am 25. April 1896 geborene Else Schnell war als Prokuristin ?/Kontoristin jahrzehntelang bei ihrem Vater tätig, von einer vermutlich kurzen Zeit als Angestellte der Möbelhandlung Zabel abgesehen.

Beide Schwestern blieben unverheiratet und lebten zeitlebens zunächst mit ihren Eltern, nach dem frühen Tod der Mutter, allein mit dem Vater zusammen.

Familie Schnell wurde vom Rabbiner der Kieler Gemeinde, Dr. Posner, zur Gruppe der liberalen Mitglieder der Israelitischen Gemeinde Kiels gezählt. Mitten im Ersten Weltkrieg, Ende November 1916, veranstaltete der „Verein für jüdische Geschichte und Literatur zu Kiel“ einen „Unterhaltungsabend zum Besten der jüdischen Kriegshilfe unter Mitwirkung von Mitgliedern unseres Vereins sowie Künstler[n] der Vereinigten Theater und der Kaiserkrone“. Wie es scheint, ein Beispiel für die gelungene Assimilation jüdischer Mitbürger im Deutschen Reich. Unter den Vortragenden: die 20-jährige Else Schnell. Sie spielte ein „Impromptus“ von Franz Schubert.

Die Tatsache, dass er im Ersten Weltkrieg als Soldat gedient hatte, ließ Moritz Schnell nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten glauben, er und seine Familie wären vor antijüdischen Maßnahmen sicher. So schlossen sie sich nicht Verwandten an, die bereits in den dreißiger Jahren den Weg ins sichere Ausland wählten. Eine Entscheidung, die Herta Schnell in einem Brief vom 18. Mai 1941 bedauerte: „...hätten sie uns doch nur auch mitgenommen, dann wäre uns bestimmt wohler.“ Und sah es 1933 vielleicht noch so aus, als könnte die Firma Schnell verschont bleiben, wurde diese 1938/39 Ziel von Maßnahmen zur Ausschaltung von Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben: Im Frühjahr 1939 wurde der Gewerbebetrieb „arisiert“. Weitere, weitaus bedrängendere Schritte der Entrechtung und Enteignung sollten in den kommenden Jahren folgen. Zusammen mit ihrem Vater müssen die Schwestern die Wohnung in der Wilhelminenstraße 27 verlassen, in der sie zwischen 1914 und 1941 lebten. In einem Brief vom 29. Juli 1941 schreibt Else Schnell: „...wir haben ... erfahren, dass wir innerhalb 14 Tagen unsere Wohnung zu räumen haben ... und dann werden wir mit einer Familie zusammen wohnen müssen. ... Ich kann Ihnen nur sagen, dass ich die Tage jetzt nur geweint habe und nervlich vollkommen erledigt bin von diesen vielen Aufregungen.“ Sie kamen in der Esmarchstraße, in der Wohnung der Familie von Dr. Wilhelm Bruck unter.

Die Briefe und Karten der Monate Oktober und November 1941 kreisen um die Angst vor der immer näher rückenden Deportation. Ein Brief Else Schnells vom 23. Oktober 1941 erwähnt die drohende, noch mehrfach kurzfristig verschobene Deportation: „...wir sind in schrecklicher Aufregung, ich weiss nicht, ob Sie von der neuen Verschickung nach Polen schon gehört haben. Es ist ganz entsetzlich, was man so durchmachen muss und dann noch mit einem so alten Vater von 78 Jahren, der doch froh ist, wenn er sein ruhiges Bett hat. Man kann uns lieber eine Bombe auf den Kopf schicken als noch so gequält werden.“ Und sie fügt eine Frage hinzu: „Ich hatte diese Karte schon kouvertiert, da fällt mir ein, Sie auch noch zu fragen, ob Sie uns irgend einen Rat erteilen können zwecks Auswanderung. ...Was sollen wir nur machen, wir sind vollkommen verzweifelt.“ Einen Monat später, am 22.November 1941, wussten die drei, dass ihre Deportation Anfang Dezember stattfinden soll: „...es ist nun auf den 4.12. verschoben worden, hoffentlich dann auch nochmal wieder. Wir freuen uns jeden Abend, in unser Bett hinein zu dürfen, dann aber geht die Nacht mit Grübeln vorüber. ... aber kein Mensch kann uns helfen, nur der Tod.“ Die zwei Töchter waren hin- und hergerissen zwischen der Erwartung, dass ihr Vater „in einem Altersheim untergebracht werden soll“, und der Angst davor, nach lebenslangem Zusammenleben getrennt zu werden. Die offiziellen Auskünfte scheinen mehrfach geändert worden zu sein. In der letzten erhaltenen Karte schreibt Herta Schnell am 24. November 1941: „...wir leben in einer Aufregung und zittern am laufenden Band, sind nervlich vollkommen erledigt. Nun heisst es wieder, dass Vater doch mit uns kommt und so geht es immer hin und her, voraussichtlich am 4. und dann ?????????“

Am 6. Dezember 1941 – für jüdische Familien ein Sabbat – begann für Herta Schnell, ihre Schwester Else und ihren Vater Moritz die Deportation nach Riga. Wie die meisten der etwa 1.000 aus Schleswig-Holstein und Hamburg mit diesem Zug deportierten Juden kehrten sie nicht wieder zurück. Am 8. Dezember 1941 – der Zug mit den Deportierten war noch nicht in Riga angekommen – erhielt der Obergerichtsvollzieher vom Amtsgericht Kiel eine Verfügung, die Aufnahme eines Vermögensverzeichnisses vorzunehmen, eines Verzeichnisses, wie es heißt, „über das ...zu Gunsten des Deutschen Reiches eingezogene Vermögen

1. des Kaufmannes Moritz Schnell...,

2. der Prokuristin Else Schnell...,

3. der Kontoristin Hertha Schnell...“.

142 Positionen umfasste dieses Verzeichnis, darunter auch „1 Klavier mit Hocker“ sowie „1 Partie Klaviernoten“. Über den Verbleib des konfiszierten Eigentums heißt es in einem Schreiben der Oberfinanzdirektion Schleswig-Holstein vom 12. Februar 1951: „Die... Möbel, Haushaltsgeräte, Wäsche usw. sind wahrscheinlich... dem Städtischen Ernährungs- und Wirtschaftsamt der Stadt Kiel ... zur Verfügung gestellt worden.“

 

Ein Haus weiter steht eine Jahreszahl in großen weißen Zahlen an der Fassade. Nehmt hier die ersten beiden Ziffern und setzt sie als E.

In dem Haus, vor dem ihr steht, ist ein Laden für Frauenmode ansässig. Der Name des Ladens beinhaltet einen griechischen Buchstaben. Welche Position im Alphabet hat dieser? =F

 

 

5. Station N54° 19.761 E10° 8.041:

Der Stolperstein der Bertentahls

Zur Familie Bertenthal gehörten der Vater David, geboren am 10. April 1888 in Altona, die Mutter Sophie, geboren am 4. Juli 1890 ebenfalls in Altona, und ihre in Kiel geborenen Kinder Rudolf (*6. August 1913), Simon (*8. September 1924), Martha (*11. Mai 1927) und Ruth (* 7. August 1929). Nur der älteste Sohn Rudolf (Rafael) sollte die NS-Zeit überleben.

Bertenthals waren bis zur Verfolgung durch die Nationalsozialisten eine sehr angesehene, wohlhabende Familie in Kiel. Sie führten eines der größten Einzelhandelsgeschäfte der Stadt in der Preußerstraße 10 auf dem Grundstück, das die Mutter Sophie, geb. Berghoff, 1912 bei ihrer Heirat mit in die Ehe gebracht hatte.

David Bertenthal, Soldat im 1. Weltkrieg, betrieb in der Preußerstraße zunächst eine Eiergroßhandlung und eröffnete dann 1919 das Schuhgeschäft. Im Laufe der Jahre konnten es die Eheleute nach und nach vergrößern, sodass der Verkaufsraum als „riesenhaft“ bezeichnet wurde (lt. einer Zeugenaussage). In zwei weiteren Räumen im 2. Stock befand sich das große, gut sortierte Warenlager. Frau Sophie Bertenthal betrieb im Schuhgeschäft eine große Strumpfabteilung, arbeitete ganztägig imSchuhgeschäft als Direktrice, regelte den Einkauf, überwachte den Verkauf, kontrollierte die zehn Angestellten und die umfangreiche Kundenkartei. Ein Kindermädchen, ein Dienstmädchen und eine Köchin arbeiteten im Haushalt der sechsköpfigen Familie, die im ersten Stock eine geräumige Vierzimmerwohnung innehatte.

Bertenthals hatten einen festen Kundenstamm, vielfach bestehend aus Beamten der Polizei und der Post. Jedes Jahr bezogen die PolizeidienststellenKiel hier ihre neuen Stiefel. Die Risiken des Abzahlungsgeschäftes waren gering, sodass Bertenthal eine Frist von sechs Monaten nach Kauf der Ware einräumen konnte. Es bestanden Geschäftsverbindungen mit Großhändlern, auch nach Hamburg. Der Umsatz wurde auf 100.000 RM im Jahr geschätzt.

Im Besitz der Eheleute Bertenthal befanden sich ebenfalls die Grundstücke Flämische Straße 22 und Muhliusstraße 13. Die Familie lebte nach strengen jüdischen Regeln. David Bertenthal schloss sich separatistischen Bestrebungen innerhalb der Kieler Gemeinde an und unterstützte die Einrichtung des Betsaals im Knooper Weg 30. Ihr ältester Sohn Rudolf wurde nach Montreux in die Schweiz geschickt, damit er auf der dortigen Talmud-Thora-Schule zum orthodoxen Rabbiner ausgebildet werden könne. Da der Vater durch die nationalsozialistische Verfolgung seine Existenz verlor, konnte er den Aufenthalt seines Ältesten in der Schweiz nicht bis zum Abschluss der Ausbildung finanzieren. So war Rudolf Ende 1933 gezwungen, als Zwanzigjähriger ohne seine Familie nach Palästina zu emigrieren. Der Vater musste ein sog. Kapitalistenzertifikat an die Einwanderungsbehörde dort und eine sog. Schenkungssteuer an das Finanzamt Kiel zahlen.

Laut Bericht des Sohnes Rudolf hat die Verfolgung des Vaters David Bertenthal anlässlich der Wahl des Reichspräsidenten Hindenburg begonnen. Jemand vom Reichsbanner habe ihn gebeten, das Bild von Hindenburg an der ihm gehörenden Litfaßsäule vor seinem Geschäft plakatieren zu dürfen. Nachdem es nachts wieder abgerissen worden sei, seien zwei Beamte der Gestapo – oder NSDAP-Mitglieder, die vorgaben, es zu sein – bei seinem Vater erschienen und hätten ihn bedroht, es würde ihn das Leben kosten, wenn er das Plakat nicht sofort entfernen werde, sollte es wieder angeklebt werden. Einige Tage später wurde David Bertenthal abends nach Geschäftsschluss in der Holtenauer Straße von drei Männern überfallen, schwer geschlagen, am Auge verletzt und mit Strafen bedroht, wenn er sein Schuhgeschäft weiter betreibe. Daraufhin floh er nach Hamburg zu Verwandten und setzte sich von dort mit dem Kieler Polizeipräsidenten in Verbindung. Der spielte die Sache herunter, behauptete, der Überfall habe nicht ihm, sondern Ostjuden gegolten. Nach Bertenthals Rückkehr nach Kiel setzten sich die Repressalien fort, er erhielt Drohungen, anonyme Briefe. SS- und SA-Leute postierten sich vor seinem Geschäft und versuchten, Kunden davon abzuhalten, es zu betreten. Ein guter Kunde, ehemaliger Kamerad aus dem 1. Weltkrieg, warnte David Bertenthal, er stehe auf der „schwarzen Liste“, ihm drohe der Haftbefehl. Weitere Drohungen folgten, auch nachts wurde die Familie belästigt.

Daraufhin begann Bertenthal 1933, die Auswanderung seiner Familie nach Holland zu planen. Für den ältesten Sohn Rudolf bemühten sich seine Eltern um ein Einwanderungszertifikat nach Palästina, was nach vielen Schwierigkeiten gelang. Um eine Ausreiseerlaubnis für sich und seine übrige Familie zu bekommen, musste Bertenthal eine hohe Spende an die Winterhilfe, eine nationalsozialistische Hilfsorganisation leisten. Nur eine geringe Geldsumme durfte ins Ausland mitgenommen werden. Mit Möbelwagen wurde das gesamte Warenlager nach Hamburg geschafft und dort zu Schleuderpreisen an unbekannte Personen verkauft.

Außenstände der Kunden sollten durch einen Rechtsanwalt eingetrieben werden. Das Geld gelangte nie in Bertenthals Hände. Der Rückkauf der Lebensversicherungen geschah weit unter Wert. Es mussten „Judenvermögensabgabe“ und „Reichsfluchtsteuer“ gezahlt werden, durch die Zahlung von „Sonderabgaben“ sollte die Versteigerung des Grundstückes Preußerstraße 10 verhindert werden.

Familie Bertenthal emigrierte im Oktober 1933 zunächst nach Den Haag. David Bertenthal versuchte in Utrecht wieder in der Schuhbranche Fuß zu fassen, was jedoch wegen Sprachschwierigkeiten misslang. Daraufhin betrieb er in Den Haag einen Lumpen- und Metallgroßhandel.

Nach der Besetzung Hollands durch deutsche Truppen wurde ihm auch das verboten. Das Geschäft wurde enteignet, er wurde arbeitslos. Seinen Kindern wurden Schulbesuch und Ausbildung untersagt. Juden in Holland mussten vom 2. Mai 1942 an den Judenstern tragen.

Am 25. März 1943 wurde die Familie Bertenthal zusammen mit anderen Juden in das Sammellager Westerbork eingewiesen. In den Akten im Landesarchiv Schleswig-Holstein in Schleswig befindet sich der Beleg des Deutschen Roten Kreuzes, dass die Eltern Bertenthal und ihre drei Kinder Simon, Martha und Ruth zusammen mit anderen Juden am 20. Juli 1943 in das Vernichtungslager Sobibor in Polen deportiert worden sind. Das genaue Todesdatum lässt sich nicht ermitteln.

Erfahrungsgemäß – so heißt es in den Akten – lebten Deportierte in den Vernichtungslagern nicht länger als drei Tage, sodass die Nachkriegsbehörden das Todesdatum für die Familie Bertenthal auf den 23. Juli 1943 festgesetzt haben.

 

G= Schaut schräg auf die gegenüberliegende Straßenseite. Das Haus hat einen Namen, der an einen Gott erinnert. Wofür ist dieser laut röm. Mythologie „zuständig“?

  1. Gott der Sänger
  2.  Gott des Wetters
  3. Gott der Händler und Diebe
  4. Gott des Krieges und des Friedens

H= Wenn ihr mit den Augen auf dieser Straßenseite bleibt und in Richtung Dreiecksplatz schaut, seht ihr einen Tierkopf. Was ist das für ein Tier?

  1. Rind
  2. Schwein
  3. Pferd
  4. Hirsch

 

 

6. Station N54° 19.767 E10° 7.938:

Der Stolperstein der Steilbegers

keine Infos

 

I=Gegenüber seht ihr ein beliebtes lateinisches Zitat. Aus wievielen Buchstaben besteht die deutsche Übersetzung?

J= Wenn ihr die eben anvisierte Straßenseite rauf und runter schaut entdeckt ihr genau einen Namen eines Geschäftes, das in seinem Namen eine Ziffer enthält. Welche Ziffer ist das?

 

 

7. Station N54° 19.831 E10° 7.937:

Der Stolperstein von Ernst Christian Bandholz

Ernst Christian Bendix Bandholz wurde am 13. März 1908 als Sohn von Ernst Bandholz und seiner Frau Anna, geb. Bothmann, in Kiel geboren. Er war gelernter Schiffbauer, jedoch ohne Anstellung. Ernst Bandholz war überzeugter Anhänger der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD), was ihm letztendlich zum Verhängnis wurde. Als entschiedener Gegner der Nationalsozialisten beteiligte er sich immer wieder an politischen und handgreiflichen Auseinandersetzungen gegen Angehörige der NSDAP. Daher geriet er des öfteren in Konflikt mit dem geltenden Gesetz, was dazu führte, dass er mehrmals ins Gefängnis musste.

So wurde er beispielsweise am 21. April 1930 zu fünf Monaten Gefängnis wegen Landfriedensbruch verurteilt. Er versuchte öffentlich seine Meinung kund zu tun, was bei seinen politischen Gegnern jedoch auf Hass stieß. Selbst gab er zu seinen Verurteilungen an, dass er die meisten Taten nicht begangen habe und sie ihm nur angehängt worden seien. Bandholz stärkster Widerstand fand in den Jahren 1929 bis 1932 statt. Er begann also bereits mit 21 Jahren für seine politischen Vorstellungen zu kämpfen. Seine politischen Aktivitäten gegen das NS-Regime wurden unterbrochen, als er bei einer großen Verhaftungswelle in den ersten Märzwochen 1933 festgenommen wurde und dann vom 17. März 1933 bis zum 31. März 1934 im KZ Lichtenburg einsaß.

1935/36 schaffte er zusammen mit Willy Affeld, ebenfalls KPD-Mitglied aus Kiel, auf dessen Segelboot Schriften gegen das Regime aus Dänemark nach Deutschland. Außerdem wurden auf diesem Segelboot Treffen zur Koordinierung der antifaschistischen Arbeit organisiert. Ernst Bandholz engagierte sich des weiteren dafür, dass getarnte Schriften verteilt wurden. Diese wurden beispielsweise als „Anweisungen über die Kanarienvogelzucht“ oder „Anweisungen über die Gänsezucht“ verteilt. Für diese Aktivitäten wurde Ernst Christian Bendix Bandholz am 14. Oktober 1936 zusammen mit Willy Affeld in Berlin zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach diesem Urteil verliert sich seine Spur.

 

 

8. Station:

Der Stolperstein der Pietschs

Emil Pietsch wurde am 4. Mai 1866 im preußischen Lissa (heute Polen) geboren. Eine Zeitlang lebte er in Schöningen/Braunschweig, 1892 zog er nach Kiel, in die Holtenauer Straße 32. Etwa zur gleichen Zeit eröffnete er unter derselben Adresse ein Bekleidungsgeschäft, das er vier Jahrzehnte lang offenbar mit großem Erfolg führte. Pietsch war ein angesehenes Mitglied in der israelitischen Gemeinde Kiel (liberale Richtung). Er engagierte sich langjährig auch als Vorstand im Verein für jüdische Geschichte und Literatur.

Es ist anzunehmen, dass Emil Pietsch Anfang der 1890er Jahre seine Frau Elise Skamper, geb. am 22.7.1869, heiratete, mit der er fünf Kinder (Karl, Fritz, Bruno, Siegfried und Ilse) bekam. Diese konnten überleben. Pietschs Familie traf noch vor der „Machtergreifung“ Hitlers ein erster Schicksalsschlag. Seine Frau Elise erkrankte schwer und starb an den Folgen eines Nervenleidens am 24.8.1928. Nach 1933 kamen zum familiären Unglück berufliche Beeinträchtigungen hinzu. Auch Pietschs erfolgreiches Geschäft war vom Boykottaufruf des NS-Regimes am 1.4.1933 betroffen und hatte in den folgenden Jahren vermutlich unter einer sinkenden Kundenzahl zu leiden. Dies mündete noch vor der „Arisierungsverordnung“ in den erzwungenen Verkauf seines Geschäftes an die Stadt Kiel zu einem viel zu niedrigen Preis. Sein ehemaliger Angestellter Fritz Schäfer wurde Geschäfts-Nachfolger.

Im Verlauf der Reichspogromnacht vom 9.11.1938 wurde Emil Pietsch verhaftet, im Polizeigefängnis interniert und danach ins KZ Sachsenhausen deportiert. Nach kurzer Zeit wurde er wieder freigelassen und lebte noch etwa drei Monate in der Muhliusstraße 77a, in die er nach der Geschäftsaufgabe hatte ziehen müssen. Im Frühjahr 1939 zog er nach Hamburg, wahrscheinlich um vor den alltäglichen Schikanen der Nationalsozialisten im eher kleinstädtischen Kiel in die Anonymität der Großstadt zu flüchten. Im Juli 1942 wurde Pietsch von Hamburg aus in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Trotz des Rufes von Theresienstadt als „Vorzeigeghetto“ lebten die Juden dort unter erniedrigenden Bedingungen. Möglicherweise starb Emil Pietsch – fast 77-jährig – am 14.2.1943 an Unterernährung oder wegen der schlechten hygienischen Verhältnisse des Ghettos.

Emils Schwiegertochter Anneliese und seine Enkeltochter Roseliese traf ein anderes Schicksal. Anneliese Pietsch, geb. Beyer, wurde am 9.9.1905 in Röbel/Mecklenburg geboren. Mit 31 Jahren heiratete sie Emils Sohn Bruno und zog von Rostock nach Kiel. Ihre gemeinsame Tochter Roseliese wurde am 20.11.1937 geboren. Die Geschäftsaufgabe durch Emil Pietsch und die daraus resultierende wirtschaftliche Not der Familie hatte vermutlich ebenfalls zur Folge, dass Bruno mit seiner kleinen Familie am 29.9.1938 in die alte Heimat seiner Frau nach Rostock zog. Im April 1939 sollten seine Frau und Tochter dem bereits emigrierten Bruno nach Südengland folgen, was aber aus unbekannten Gründen nicht gelang. Sie zogen im Juli 1942 zu Annelieses Familie in Röbel zurück, wurden im selben Monat aber nach Hamburg und von dort aus nach Auschwitz deportiert.

Aufgrund des jungen Alters von Roseliese (vier Jahre) kann angenommen werden, dass sie bei der Selektion als arbeitsunfähig eingestuft wurde und gemeinsam mit ihrer Mutter in einer der Gaskammern von Auschwitz den Tod fand.

 

K= Nanu? Ein Geschäft auf der gegenüberliegenden Seite behauptet doch glatt, wir seien nicht mehr in Kiel, ja, nicht einmal mehr in Deutschland, sondern in...ja, wo denn? Zählt die Anzahl der Buchstaben

 

 

9. Station N54° 19.883 E10° 7.813:

Der Stolperstein der Schlumper

Familie Schlumper lebte von 1932 bis 1939 in Kiel in der Annenstraße 61. Karl oder Chaim Schlumper wurde am 16. November 1885 als Sohn einer orthodoxen jüdischen Familie in Kolo-Kalisch in Polen geboren. Seit 1912 lebte er in Deutschland und heiratete 1917 in Rendsburg Rosa Ruj. Rosa Schlumper stammte aus Wilszin/Wilschen in Polen, wo sie am 2. September 1892 zur Welt kam. In den folgenden Jahren wurden ihnen in Rendsburg drei Söhne geboren: Adolf (*2. Januar 1920), Josef (*7. Juni 1921) und Samuel (*21. März 1923). 1925 zog die Familie von Rendsburg nach Kiel um. 1932 mussten Rosa und Karl Schlumper ein totgeborenes Kind, ein Mädchen, auf dem Jüdischen Friedhof in Kiel bestatten.

Für die Jahre in Kiel notierte der Gemeinderabbiner Dr. Posner: „Die Familie in Kiel ernährte sich ursprünglich gut, später verschlechterte sich die Lage. Er hatte eine gute Stimme und betete gern vor, ... sie besuchten regelmäßig die Synagoge, die Kinder lernten gut.“ Die Arbeit als selbständiger Maschinenstricker hatte es Karl Schlumper ermöglicht, in der Annenstraße 61 ein einfaches Haus und ein kleines Hof-Grundstück zu erwerben, nachdem die Familie zunächst in der Boninstraße gewohnt hatte. Für die nächsten Jahre bis 1938 fehlen weitere Informationen. Der Sohn Samuel verließ bereits im März 1938 Kiel in Richtung Kalisch. Ende Oktober 1938 versuchten die Behörden, alle aus Polen stammenden Juden zwangsweise nach Polen abzuschieben, so auch Karl Schlumper mit seiner Familie. Diesmal scheiterte die Abschiebung, weil die aus Kiel stammenden Juden erst an der polnischen Grenze eintrafen, als diese bereits von polnischerSeite geschlossen war. Im Frühjahr 1939 richten Polizei, Justiz und Presse ihre Aufmerksamkeit auf den Sohn Adolf Schlumper. In einem Artikel der „Kieler Neuesten Nachrichten“ vom 25. Mai 1939 heißt es: „Eine typisch jüdische Unverschämtheit legte der 19 Jahre alte Jude Adolf Schlumper an den Tag. Obwohl ihm bekannt war, daß Juden der Zutritt in die‚Schauburg’ und auch in andere Kieler Kinotheater nicht gestattet ist, besuchte er am 18. Januar die ‚Schauburg’. Er war in Begleitung von zwei Bekannten. Um als Jude nicht erkannt zu werden, hatte er sich mit einer Mütze entsprechend getarnt. Das Schild an der Kasse, wo nochmals ausdrücklich stand 'Juden haben keinen Zutritt' ließ er einfach unbeachtet. Er behauptete mit der gleichen Frechheit in der Verhandlung vor dem Kieler Schöffengericht, vor dem er sich nunmehr auf Anzeige des Eigentümers des Lichtspieltheaters wegen Hausfriedensbruchs zu verantworten hatte, dieses Schild überhaupt nicht gesehen [zu] haben. ... Wenig erfreuliche Rollen haben allerdings auch die beiden Zeugen Albert R. und Gertrud H. gespielt, die sich nicht scheuten, mit diesem unverschämten Juden zu verkehren und sich von ihm freihalten zu lassen. Das Gericht verurteilte Schlumper, ..., antragsgemäß wegen Hausfriedensbruchs zu drei Wochen Gefängnis.“ Adolf Schlumpers Antrag auf Strafmilderung wurde am 11. August 1939 „wegen Abwesenheit“ verworfen. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Familie Deutschland bereits seit knapp zwei Wochen verlassen. Denn in den Monaten nach dem Novemberpogrom1938 hatte sich der auf Auswanderung und Ausweisung zielende Druck der Behörden erheblich verschärft. Zwangsarisierungen standen auf der Tagesordnung. Deswegen verließ Karl Schlumper zusammen mit seiner Frau und den noch bei ihnen lebenden zwei Söhnen Adolf und Josef am 29. Juli 1939 Kiel in Richtung Kalisch. Sein Haus und Grundstück hatte er sechs Wochen zuvor an einen Nachbarn verkauft. Zwei Wochen nach diesem Verkauf beantragte Herr Schlumper für sich und seine Familie die „Mitnahme von Umzugsgut“: Einige Küchenutensilien sowie Kleidung, das war – abgesehen von letzten persönlichen Wertsachen wie Eheringen – das gesamte Umzugsgut.

Durch Briefe von Mitgliedern der Familie Schlumper an die Familie des Hauskäufers können wir ihren Leidensweg noch bis zum Mai 1942 weiter verfolgen. Die Briefe vermitteln etwas von den bitteren Umständen. Immer wieder bitten sie darum, ihnen etwas von der Kleidung und dem Bettzeug zu schicken, die sie in Kiel zurücklassen mussten. Am 2. Februar 1940 schreibt der Sohn Josef: „.Es ist keiner mehr in Kalisch. Meine Eltern sind in Jadow. Adolf und ich sind in Warschau- Panska 28 m 15. (...)Wir sind hier mit 60 Personen in 2 Stuben und schlafen auf Holzpritschen. Die Sachen können wir vorerst nicht abnehmen, denn man weiss nicht, was wird. Mit Essen muss man auskommen. In Kielwar es besser. (...) Viele Grüss an alle. Besondere Grüße an Kaufmann G..., L... und Karl B..., Annenstr. 55 Hofs[eite] rechts neben der Waschküche, an A... und alle Einwohner von [Annenstraße] 61...“ Der letzte Satz lässt erkennen, dass zwischen der Familie Karl Schlumpers und einigen Nachbarn trotz aller judenfeindlichen Hetze, Boykottmaßnahmen und Pogrome anscheinend normale nachbarschaftliche Beziehungen bestanden hatten. Ebenfalls im Februar 1940 schreibt Josef an einen Freund: „Ich habe Deinen lieben ... Brief erhalten. Adolf und ich sind 14 Tage im Spital gewesen (nicht krank), denn in unserer Stube ist einer typhuskrank gewesen. Ich habe ihn [Deinen Brief] einige Male überlesen und stets geweint, wenn ich an meine Kieler Zeit zurückdenke.“ Im August 1940 teilt er – immer noch aus Warschau – mit: „Hier wird man auf Zwangsarbeit verschickt werden. Ich weiss nicht, was ich machen soll. Wie mich das Schicksal getroffen hat. Es ist momentan bitter. 15 kg habe ich abgenommen und fühle mich kränklich, von Tag zu Tag schwächer. Ich hoffe, dass ich dieses Zeitende noch erlebe.“

Im März 1941 schreibt Karl Schlumper aus dem Ghetto Jadow: „An die Devisenstelle in Kiel: Wie es ihnen bewußt ist habe ich im Jahre 1939 ... verkauft... mein Grundstück Annenstraße 61. Es ist ein Betrag stehen geblieben von 1500 RM [lesen: Reichsmark]. Ich möchte die Devisenstelle sehr bitten ob es nicht möglich ist uns von dem Betrag monatlich etwas zukommen zu lassen. Da wir hier in ein[em] Flüchtlingsheim sind ohne jeglichen Verdienst . Auch haben wir nichts anzuziehen. Wir bitten daher nochmal recht herzlich um Berücksichtigung und danken bestens im voraus. Bitte um sofortige Erledigung, da wir nichts zu essen haben.“ Dieser Antrag wurde vom Oberfinanzpräsidium ohne Begründung abgewiesen.

Aus Briefen an den Käufer ihres Hauses geht hervor, dass Eltern und Söhne sich inzwischen ab Herbst 1941 zusammen im Ghetto von Jadow aufhalten. Im Oktober 1941 heißt es in einem Brief von Josef Schlumper: „Wegen der Sachen: schickt bitte so bald wie möglich, denn es ist hier sehr kalt. U.a. befindet sich in einem der Koffer ein Paar schwarze Halbschuhe, ein blauer Arbeitsanzug, eine Manchesterhose, ein Damenmantel usw. Es ist dieses das Wichtigste für den Winter. Wir haben vor Hunger alle unsere Sachen verkaufen müssen und gehen abgerissen und barfuss. (...) Es ist uns sehr bitter. Alle waren wir schwerkrank.“

Ende 1941 muss Adolf Schlumper mitteilen: „Inzwischen ist mein lieber Vater im Alter von 57 Jahren gestorben. Er hatte schon nichts mehr zu essen und wartete jeden Tag auf das Paket. Die Beerdigung war am 16. Dezember.“ Karl Schlumper starb am 15. Dezember 1941. Die letzten acht Briefe zwischen Dezember 1941 und Anfang Mai 1942 mit ihren dringlich wiederholten Bitten, kleine Pakete vor allem mit warmer Kleidung zu schicken, stammen alle von Adolf Schlumper. Aus einem seiner Briefe vom 6. Januar 1942 erfahren wir: „Inzwischen ist ... mein lieber Bruder Josef am 3. Januar vor Hunger und Kälte gestorben. Er ist direkt verhungert. Meine Mutter liegt jetzt auch. Auch sehr abgeschwächt. (...) Schicken Sie wenigstens inzwischen einen Pullover oder eine Hose, ... (...) Sehen Sie zu, das wird bestimmt herkommen, denn wir halten es nicht mehr aus. Von 5 Personen sind noch 3. Alles verhungert. Arbeit gibt es hier nicht.“ Und drei Tage später: „Hier ist jetzt 30° Kälte. Sehen Sie bitte zu, was Sie tun können, zu erledigen. Denn uns wird sehr geholfen durch Sie. Schicken Sie bitte nach Erhalt des Briefes gleich ab. (...) Schicken Sie bitte, bitte.“ Und im allerletzten vom 1. Mai 1942 schreibt Adolf: „ Ihre Windjacke und Hose trägt mein Bruder, den Pullover die Mutter. Schicken Sie jetzt für mich auch etwas. Es wird hier alles von Tag zu Tag teurer. Und habe schon nichts mehr zu verkaufen. Wer weiß, was mit der Mutter sein wird. Zu verdienen ist nichts. Liebe Frau B., so tun Sie uns noch helfen, so lange wir leben. Schicken Sie uns doch bitte wieder was ab.“

Dieser Brief war das letzte Lebenszeichen, das die Familie B. erhielt. Danach verliert sich jede Spur von Rosa, Adolf und Samuel Schlumper. [Das Ghetto Jadow wurde im August 1942 aufgelöst. Die Bewohner wurden entweder erschossen oder nach Treblinka gebracht.]

 

L= Von hier aus seht ihr ein Hinweisschild zu einem Parkplatz (blau). Dieses steht durch Zufall neben einer Zahl (neben dieser Zahl steht zwar ein Buchstabe, der ist aber hier unwichtig). Wie lautet die Zahl?

 

Den Cache findet ihr nun bei:
N54° (K+C).D*B+L*I+I*K+L-C+J
E10° (K-G).A*E*F+I*L-(K*C-A-F-D)

 

In direkter Nachbarschaft liegt eine Dose von GC, ihr sucht hier wieder einen ausreichend als OC-Cache gekennzeichneten PETling. Wer mit kurzen Ärmeln zugreifen möchte, sollte etwas aufpassen... zu kleine Cacher sollten ausreichend lange Arme oder einen Tritt mitnehmen...

 

(Die Quersumme aller ermittelten Zahlen ergibt 6)

 

Im Cache selber findet ihr neben dem Logbuch und einem Bleistift eine Bonuszahl, genauso wie in den anderen Caches dieser Stolperstein- Serie. Diese solltet ihr euch aufschreiben/merken/eintätowieren. In absehbarer Zeit werden bohrsty und ich die restlichen Caches veröffentlichen sowie natürlich den Bonuscache legen. Diesen könnt ihr nur finden, wenn ihr alle Bonuszahlen habt!

Und nun: happy hunting :)

Zusätzliche Wegpunkte   andere Koordinatensysteme

Station oder Referenzpunkt
N 54° 19.546'
E 010° 07.638'
Stolperstein von Sara und Simon Winzelberg

An dem Haus, vor dem diese Stolpersteine liegen, hängt ein Straßenschild mit zwei Zahlen drauf. Nehmt die größere der beiden als A.

Gegenüber seht ihr eine Schule. Nach wem wurde diese benannt (Nachname!) ? Addiert die Buchstabenwerte (A=1,...Z=26) zu B.
Station oder Referenzpunkt
N 54° 19.563'
E 010° 07.666'
Stolperstein von Dora Hirsch

Das imposante Gebäude auf der gegenüberliegenden Straßenseite kommt euch sicherlich von der ersten Aufgabe bekannt vor. Ganz oben im Giebel seht ihr ein bullaugenähnliches Fenster. In wieviele einzelne „Sektionen“ ist das Fenster unterteilt? Anzahl =C
Station oder Referenzpunkt
N 54° 19.581'
E 010° 07.670'
Stolperstein der Metzgers

D= Ein drittes Mal schaut ihr auf das große Gebäude gegenüber. Ihr seht einen großen Stein, der vor einem Baum steht. Was ist das für ein Baum?

1. Ahorn
2. Birke
3. Eiche
4. Kiefer
Station oder Referenzpunkt
N 54° 19.668'
E 010° 07.921'
Stolperstein der Schnells

Ein Haus weiter steht eine Jahreszahl in großen weißen Zahlen an der Fassade. Nehmt hier die ersten beiden Ziffern und setzt sie als E.

In dem Haus, vor dem ihr steht, ist ein Laden für Frauenmode ansässig. Der Name des Ladens beinhaltet einen griechischen Buchstaben. Welche Position im Alphabet hat dieser? =F
Station oder Referenzpunkt
N 54° 19.761'
E 010° 08.041'
Stolperstein der Bertentahls

G= Schaut schräg auf die gegenüberliegende Straßenseite. Das Haus hat einen Namen, der an einen Gott erinnert. Wofür ist dieser laut röm. Mythologie „zuständig“?
1. Gott der Sänger
2. Gott des Wetters
3. Gott der Händler und Diebe
4. Gott des Krieges und des Friedens

H= Wenn ihr mit den Augen auf dieser Straßenseite bleibt und in Richtung Dreiecksplatz schaut, seht ihr einen Tierkopf. Was ist das für ein Tier?
1. Rind
2. Schwein
3. Pferd
4. Hirsch
Station oder Referenzpunkt
N 54° 19.767'
E 010° 07.938'
Stolperstein der Steilbegers

I=Gegenüber seht ihr ein beliebtes lateinisches Zitat. Aus wievielen Buchstaben besteht die deutsche Übersetzung?

J= Wenn ihr die eben anvisierte Straßenseite rauf und runter schaut entdeckt ihr genau einen Namen eines Geschäftes, das in seinem Namen eine Ziffer enthält. Welche Ziffer ist das?
Station oder Referenzpunkt
N 54° 19.831'
E 010° 07.937'
Stolperstein von Ernst Christian Bandholz
Stolperstein der Pietschs

K= Nanu? Ein Geschäft auf der gegenüberliegenden Seite behauptet doch glatt, wir seien nicht mehr in Kiel, ja, nicht einmal mehr in Deutschland, sondern in...ja, wo denn? Zählt die Anzahl der Buchstaben
Station oder Referenzpunkt
N 54° 19.883'
E 010° 07.813'
Stolperstein der Schlumper

L= Von hier aus seht ihr ein Hinweisschild zu einem Parkplatz (blau). Dieses steht durch Zufall neben einer Zahl (neben dieser Zahl steht zwar ein Buchstabe, der ist aber hier unwichtig). Wie lautet die Zahl?
Info Die zusätzlichen Wegpunkte werden bei Auswahl des Caches auf der Karte angezeigt, sind in heruntergeladenen GPX-Dateien enthalten und werden an das GPS-Gerät gesendet.

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xbzcyrgg orjnpufra - Abeqbfgra

A|B|C|D|E|F|G|H|I|J|K|L|M
N|O|P|Q|R|S|T|U|V|W|X|Y|Z

Hilfreiches

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Logeinträge für Kieler Stolpersteine IV    gefunden 3x nicht gefunden 3x Hinweis 0x Wartung 2x

nicht gefunden 24. Oktober 2015, 15:20 Kaker&Lake hat den Geocache nicht gefunden

Vielen Dank für den interessanten multi. Leider aber auch beim zweiten Versuch nicht gefunden :-(

Die Final Koordinaten haben uns direkt auf den sky Parkplatz beim Bauhaus geführt........

Vielleicht gibt es ja noch einen dritten Versuch. Jetzt sind erstmal die anderen Stolpersteine dran.

nicht gefunden 20. Oktober 2015, 17:30 Die JKS-Detektive hat den Geocache nicht gefunden

Leider nicht gefunden.

Am richtigen Ort waren wir aber diesmal. Vielleicht, wenn alle Blätter ab sind...

gefunden 25. Juli 2015, 07:37 sycry hat den Geocache gefunden

Toller Rundweg! Final ist in der Tat erst auf den zwanzigsten Blick und bei Tageslicht zu finden.
Logbuch ist voll.
Vielen Dank

gefunden 22. August 2014, 13:20 stalanden hat den Geocache gefunden

Heute war ich nochmal im Hellen dort - und im Hellen kann man den Kleinen gut sehen, wenn man scharf hinsieht. Tagsüber ein faires Versteck, und zumindest derzeit schwerer als der Tradi.

Nochmals danke für die Runde, und für den trickreichen Cache!

nicht gefunden 20. August 2014, 03:34 stalanden hat den Geocache nicht gefunden

Gelaufen bin ich die Runde noch während der Kieler Woche, als die Wegpunkte noch etwas durcheinander waren. Ließ sich aber alles trotzdem gut finden - bis auf den Final, der wohl schon beim Publish gemuggelt war. Den neuen GZ kenne ich noch leidlich vom benachbarten Tradi.

Heute war ich nicht fündig: es war Nacht und hat geregnet. Zudem bin ich beim Tradi schon mehrmals verzweifelt... und es war immer schwer, den richtigen Moment zu finden. Aufgrund der vegetationsbedingten Schwere des Verstecks ist das wohl Starkregen bei Sonnenschein.

Ich sehe es als ungünstig, die zwei Dosen so dicht beieinander zu haben. Zu groß ist die Gefahr, dass GC-Suchende diesen Final finden und nicht genau hinsehen... ich persönlich sehe einen Abstand von 50 Metern als sinnvoll.

Mal sehen, ob und wann ich es nochmal versuche...

Jedenfalls danke für die Runde!