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Villa Luise (oder "Bis Gras drüber wächst")

 Ein Gedenk-Cache, der einer ganz besonderen Bank gewidmet ist. Aber seht selbst!

von hblack     Deutschland > Berlin > Berlin

Achtung! Dieser Geocache ist „archiviert“! Es befindet sich kein Behälter an den angegebenen (oder zu ermittelnden) Koordinaten. Im Interesse des Ortes sollte von einer Suche unbedingt abgesehen werden!

N 52° 29.238' E 013° 27.838' (WGS84)

 andere Koordinatensysteme
 Größe: nano
Status: archiviert
 Versteckt am: 11. Dezember 2013
 Veröffentlicht am: 03. Februar 2014
 Letzte Änderung: 10. April 2014
 Listing: http://opencaching.de/OC10764
Auch gelistet auf: geocaching.com 

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102 Aufrufe
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Geokrety-Verlauf

große Karte

   

Infrastruktur
Zeitlich
Saisonbedingt
Benötigt Werkzeug

Beschreibung   


Villa Luise (oder: Bis Gras drüber wächst)


Dieser kurze Multi führt euch zu einer kleinen Rasenfläche ganz in der Nähe der
Belarussischen Botschaft. Dort wurde am 27. März 2012 eine Gedenkbank für die
Opfer des belarussischen Regimes aufgestellt. Von der Aktion existieren übrigens auch
eine ganze Reihe von Fernsehmittschnitten (siehe Quellenangabe am Ende des Listings).

An der Rückenlehne der Bank wurden die Namen einiger der Opfer angebracht.

Anfang Januar 2014 war die Bank dann plötzlich verschwunden. Anscheinend wurde die
Bank einfach klammheimlich wieder abgebaut, ohne die Eigentümer der Bank davon in
Kenntnis zu setzen. Auf Nachfrage wusste dort jedenfalls keiner darüber Bescheid.
Aber wer auch immer für das unerlaubte Entfernen der Bank verantwortlich ist,
er hat etwas Blumenerde dagelassen und Grassamen gestreut! Unentschlossen

Aber hier im Listing lebt diese Bank natürlich weiter - das ist klar! Unschuldig



Das Logbuch findet ihr in einem NanoCache-Behälter, welcher sich in 48m/48° von den
Startkoordinaten befindet. Das ist direkt neben der Stelle, wo einst die Gedenkbank
stand. Und wer weiß, vielleicht kehrt sie ja auch dorthin irgendwann einmal zurück…
Sachdienliche Hinweise könnt ihr natürlich gerne in euren Log schreiben. Auch ich werde
das Listung natürlich anpassen, sobald es neue Erkenntnisse oder Entwicklungen gibt.

Nun noch ein paar Dinge zu den Botschaftsgebäuden und zur Historie:

Der Name Belarus (hierzulande oft als "Weißrussland" bezeichnet) ist seit dem Mittel-
alter überliefert und wurde im 19. Jahrhundert in den allgemeinen Sprachgebrauch auf-
genommen. Die deutsche Übersetzung von Belarus in "Weiße Rus" ist jedoch ungenau.
"Rus" war der ostslawische Name für skandinavisch-slawische Herrschaftsgebiete
wie das der Kiewer Rus, zu dem das Land von der Gründung an gehörte. Das Adjektiv
"bely" bedeutete im Mittelalter im geografischen Sinne "westlich" und/oder "nördlich",
Belarus ist demnach korrekterweise eigentlich mit "Westliche Rus" zu übersetzen.

Die weißrussischen offiziellen Stellen wie auch die deutsche Diplomatie verwenden in
offiziellen deutschsprachigen Texten den Namen Belarus, um die Unterscheidung von
Russland zu verdeutlichen. Laut Auswärtigem Amt kann aber auf Landkarten sowie in
nicht-diplomatischen Texten weiterhin die traditionelle Bezeichnung "Weißrussland"
verwendet werden. Früher wurde das Land auch "Weißruthenien" und im Sprach-
gebrauch der DDR "Belorußland" genannt.

Aufgrund zahlreicher demokratischer Defizite und des autoritären Regierungsstils
(u.a. der Grund für die Bank) wird Weißrussland leider auch als letzte Diktatur
Europas bezeichnet. Belarus ist außerdem der letzte europäische Staat, in dem
die Todesstrafe noch angewendet wird. Dazu gab es vor dem Botschaftsgebäude
eine Demo und Unterschriftensammlung von Amnesty International, bei welcher
die Abschaffung der Todesstrafe in Weissrussland gefordert wurde.

Die Botschaft in Berlin verfügt über zwei unter Denkmalschutz stehende Villen
(Am Treptower Park 31 und 32), deren Entstehung in die zweite Hälfte des
19. Jahrhunderts zurückreicht. 

1875 ließ sich der vermögende Gärtnereibesitzer und Amtsvorsteher Martin Hoffmann
von den Architekten Weiße und Wichmann ein Wohnhaus am Verbindungsweg von
Köpenick nach Berlin errichten. Dieser Vorgängerbau der heutigen Botschaft leitete
dann übrigens die Bebauung der Köpenicker Straße ein. Durch den Um- und Ausbau
entstand ein anspruchsvolles mehrgeschossiges Bauwerk ganz im schicken Typus der
Berliner Grunewaldvillen.



Bis 1933 diente diese große gelbe Villa als Wohnhaus, nach Kriegsende wurde darin
(farblich passend =D) ein Postamt eingerichtet, welches dann die gesamte DDR-Zeit
lang existierte. Vielleicht kennt es ja noch jemand von euch?

Im Dezember 1996 wurde das Gebäude dann von der Belarussischen Regierung
erstanden und Anfang 1997 grundlegend saniert und modernisiert. Fenster und Türen
wurden restauriert, Decken und Stuck originalgetreu ausgebessert, Treppengeländeteile
nach alten Vorlagen ersetzt. Auch der Rasen im Garten drum herum ist hübsch gepflegt
und beherbergt einen dieser bemalten Berliner Buddy Bären.

Kleiner Exkurs zum Buddy Bär:

Der Buddy Bär (englisch buddy "Kumpel", "Freund") ist eine individuell bemalte
lebensgroße Bärenskulptur aus witterungsbeständigem glasfaserverstärkten Kunststoff.
Der Buddy Bär adaptiert eine Idee, die seit Ende der 1990er Jahre schon in anderen
Großstädten erfolgreich war, ursprünglich initiiert durch die Zürcher Kuh-Kultur 1998.

Der Buddy Bär wurde 2001 von Eva und Klaus Herlitz in enger Zusammenarbeit mit
dem österreichischen Künstler und Bildhauer Roman Strobl entwickelt. Vier verschiedene
Bären-Modelle wurden entworfen: ein auf allen vieren stehender Bär ("Freund"),
ein nur auf den Beinen stehender ("Tänzer"), ein Kopfstand machender ("Akrobat")
sowie ein sitzender Bär. Bei dem Bär hier im Gerten der Botschaft handelt es sich also
anscheinend um eine Art Tanzbär.

Allein im Jahr 2001 wurden in Berlin rund 350 dieser Bären bemalt und in der gesamten
Stadt verteilt aufgestellt. Mittlerweile findet man die Bären nicht nur in Berlin. Insgesamt
gibt es mittlerweile rund 1400 Bären, wovon sich über 1100 außerhalb Berlins und
Brandenburgs befinden.

Wie unsere Bank hier, werden die bis zu zwei Meter hohen und rund 50 Kilogramm
schweren Bären im Freien auf einem Betonsockel montiert. Vor zahlreichen Deutschen
Botschaften und Konsulaten (z.B. in Washington, Tokio, St. Petersburg, Taipeh, Paris,
Neu-Delhi) werben Buddy Bären übrigens für ein tolerantes, freies und demokratisches
Deutschland.

Aber zurück zur Botschaft und der Villa Luise:

Im Gebäude ist auch ein (im Jahre 1900 erbauter) eingemauerter Panzerschrank der
Firma Franz Krupp aus Weißensee erhalten geblieben. Auch dieser wurde aufgearbeitet
und wird nun wieder benutzt. Im Haus sebst befinden sich übrigens zurzeit hauptsächlich
die Mitarbeiterbüros.



Auch das benachbarte graue Gebäude (Am Treptower Park 31), das erst 2000 von der
Republik Belarus erworben wurde, ist ein historischer Bau. Er wurde vom bekannten
Architekten und Maurermeister Paul Höfchen 1888 für den Bauherrn Wilhelm Koppen
am damaligen Köpenicker Weg errichtet und nach der Gattin des Besitzers Luise Koppen
"Villa Luise" benannt.



Von vier Achsen dieses klassizistisch dekorierten zweigeschossigen Gebäudes ist die
dritte durch ihre Dreiteiligkeit und einen Giebel besonders betont. Ein Drempel (das ist
der im Dachgeschoss über den Fußboden hinausragende Teil der Außenmauern bis zum
Dachansatz) und eine Balustrade als Attika schließen die Villa ab.

Die Schönheit dieses Hauses hat übrigens auf den berühmten Dichter und Journalisten
Theodor Fontane (1819-1898) so einen starken Eindruck gemacht, dass er nicht umhin
konnte, es in seinen Werken „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ zu erwähnen.

2002-2003 wurde das Gebäude saniert und Anfang Juli 2003 zum Nationalfeiertag der
Republik Belarus seiner neuen Bestimmung als Botschaft übergeben. Im Haus befinden
sich die Konsularabteilung (zuständige Stelle für die Erteilung von Einreisevisa) sowie
einige repräsentative Räume der Botschaft.

Hier die von mir verwendeten Quellen:

Gschichte der Botschaft
Weißrussland
Einweihung der Bank
Presseecho
Buddy Bär



Erstellt mit gcffm Listing Generator

Bilder

Gedenkbank
Gedenkbank

Hilfreiches

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Logeinträge für Villa Luise (oder "Bis Gras drüber wächst")    gefunden 10x nicht gefunden 0x Hinweis 0x Wartung 1x

gefunden 15. Juli 2015 martl hat den Geocache gefunden

Mit ECA geholt, ohne zurück gebracht  :)

TFTC
Martina

gefunden 30. Januar 2015 der-michel hat den Geocache gefunden

Bis zum Graswuchs konnte ich leider nicht warten und so musste ich eigentlich auch schon sofort los, um den Kleinen mal zu besichtigen. Bei dem heutigen Schmuddelwetter machen solche Dosen ja immer eine besondere Freude ;) Aber zum Aufwärmen für die kommende Aktion war es schon recht... :)

°°° 3646 and counting - TFTC - der-michel :) °°°

gefunden 24. September 2014 Lining30 hat den Geocache gefunden

Schnell gefunden.
Danke für Cache Nr. 966

gefunden 26. August 2014 Arni&Maria hat den Geocache gefunden

Trotz vollen Logbuchs haben wir uns heute diesen Cache gegriffen. Das Logbuch scheint nur voll. In einigen Feldern steht nur das, was von anderen Logs abgedrückt wurde. Viel Platz ist trotzdem nicht übrig.

gefunden 08. Mai 2014 tarozwo hat den Geocache gefunden

Nach dem "Am Brunnen vor dem Tore" wurde auch dieser Kleine hier ge-/besucht. [:)]
Sehr tolle Geschichte...

Danke fürs legen und verstecken!