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Feindsender

von chrisstonycreek     Deutschland > Hessen > Gießen, Landkreis

N 50° 34.931' E 008° 40.348' (WGS84)

 andere Koordinatensysteme
 Größe: mikro
Status: kann gesucht werden
 Zeitaufwand: 0:30 h   Strecke: 1.6 km
 Versteckt am: 08. Mai 2005
 Gelistet seit: 15. Dezember 2005
 Letzte Änderung: 15. Dezember 2005
 Listing: https://opencaching.de/OC1220
Auch gelistet auf: geocaching.com 

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Beschreibung   

PLEASE FEEL FREE TO REQUEST THIS TEXT IN ENGLISH !!!
Dieser Cache führt Euch auf ca. 1,6 km durch die Innenstadt von Giessen.

Der Cache behandelt wieder einen Teil der Giessener Geschichte zur NS-Zeit. Diesmal erzählt er die Geschichte eines Hörerkreises ausländischer Sender.

Da es sich um einen Innenstadtcache handelt, und der GPS-Empfang da manchmal so eine Sache ist, habe ich zu den Stages je einen Hint hinterlegt, den man, ebenso wie das Spoilerfoto vom Final, berücksichtigen kann. Da es sich um einen Micro handelt, bitte nicht den Stift zum Loggen vergessen. Nach dem Loggen bitte den Beschreibungszettel wieder so in das Filmröllchen legen, dass man das Wesentliche von Außen lesen kann.


DER KAUFMANN-WILL-KREIS:

Der 73-jährige Dr. Alfred Kaufmann, Pfarrer a.D. und völkerkundlicher Schriftsteller (Orientalistik) bildete mit dem Kunstmaler Heinrich Will sowie dessen Frau Liesel im Frühjahr 1941 eine Hörergemeinschaft. Sechs weitere Männer und Frauen schlossen sich an. Die Mitglieder dieser Hörergemeinschaft misstrauten der Nazi-Propaganda und wagten es, frei zu diskutieren.

Besonders beliebt unter den „Feindsendern“ war der deutschsprachige Dienst der BBC. Die Nachrichten dieses Senders wurden als objektiv eingestuft und die regelmäßigen Kommentare von Thomas Mann, sowie die Jazzmusik-Sendungen und satirischen Beiträge erfreuten sich großer Beliebtheit.

Der Empfang von Auslandssendern konnte wegen „Rundfunksverbrechens“ mit der Todesstrafe geahndet werden. Dies war den Mitgliedern der Hörergemeinschaft bekannt.

Der Kaufmann-Will-Kreis verfasste keine Flugblätter und unternahm auch keine Aktionen in der Öffentlichkeit. Allerdings unterstützen die Mitglieder auch nicht die üblichen Kleidersammlungen für die Front. Auch diese Verweigerung konnte als „Landesverat“ geahndet werden.

Die Gestapo schleuste die Agentin Dagmar Imgart, ursprünglich Schwedin und verantwortlich für viele weitere Verhaftungen mit „Todesfolge“ im Kreis Gießen, in diese bürgerliche Widerstandsgruppe ein. Daraufhin wurden am 6. Februar 1942 alle in Dr. Kaufmanns Wohnung anwesenden und weitere mutmaßliche Mitglieder verhaftet.

Am 21. Juli 1942 tagte der Senat des Berliner „Volksgerichtshofs“ eigens zu diesem Zweck in Darmstadt. Dr. Alfred Kaufmann und Heinrich Will wurden wegen „landesverräterischer Begünstigung in Verbindung mit einem Verbrechen nach §1 der Verordnung über außerordentliche Rundfunkmaßnahmen“ zum Tode verurteilt. Die 40-jährige Elisabeth Will erhielt eine sechsjährige Zuchthausstrafe, die sie im Zuchthaus Ziegenhain antreten musste. Da Elisabeth Will Jüdin war, forderte die Gestapo am 7. Dezember 1942 ihre Herausgabe und lieferte sie ins KZ Auschwitz ein, wo sie ermordet wurde.

Vier weitere weibliche Angeklagte, die Lehrerin Emilie Schmidt, die Verkäuferin Stefanie H., die Hausfrau Hildegard Falckenberg und die Studentin Renate Rose, wurden zu je drei Jahren Zuchthaus bzw. Gefängnis verurteilt. Die Giessener Universität schloss Renate Rose am 19. Februar 1943 vom Studium aus, da sie „die Würde und das Ansehen der Universität gröblich verletzt“ habe.

Das Leben eines weiteren Gruppenmitglieds, des Pfarrers Ernst Steiner aus Pohlheim-Hausen, endete bereits vor dem Prozess. Er soll sich am 16. März 1942 im Darmstädter Gestapogefängnis in seiner Zelle erhängt haben. Nach Aussagen von Mitgefangenen musste Pfarrer Steiner brutale Folterungen ertragen. Daher sind an der amtlichen Darstellung der Gestapo Zweifel angebracht.

Heinrich Will hatte nach seiner Verhaftung heimlich ein Selbstportrait angefertigt. Darum musste er seine Inhaftierung in der Strafvollzugsanstalt Frankfurt-Preungesheim unter mehr als 50 andern Todeskandidaten für sieben Monate ständig an Händen und Füßen gefesselt ertragen. Seine Hinrichtung am 19. Februar 1943 wurde in Gießen durch große rote Plakate mitgeteilt. Auf Anweisung der Nazis fanden zu diesem Zwecke Betriebsversammlungen statt und alle Giessener Schülerinnen und Schüler erhielten „zur Feier des Tages“ am 21. Februar 1943 Schulfrei.

Das Todesurteil von Dr. Kaufmann wurde in eine achtjährige Zuchthausstrafe umgewandelt, da seine beiden Söhne Offiziere der Wehrmacht waren. Von der Preungesheimer Todeszelle wurde er in das Zuchthaus in Butzbach überführt. Am 1. April 1945 konnte Alfred Kaufmann das Butzbacher Zuchthaus nach der Befreiung durch die Amerikaner als erster von 1200 Gefangenen verlassen.

Ende April 1945 erstattete Alfred Kaufmann bei der amerikanischen Polizei Anzeige gegen die ehemalige hochrangige Agentin des Amtes IV Gestapo, Dagmar Imgart. Nach mehreren Verhandlungen wurde sie 1954 schließlich zu einem Jahr und drei Monaten Zuchthaus für die Folgen ihrer Spitzeltätigkeit verurteilt.


Stage 1: N 50° 34.931 E 8° 40.348

Hier befand sich das Wohnhaus von Dr. Alfred Kaufmann, in dessen Wohnung sich die Mitglieder der Hörergemeinschaft trafen und wo die Meisten von ihnen am 6. Februar 1942 verhaftet wurden.

Schaut Euch das Haus gut an. Welche Hausnummer hat das Haus? Dies ergibt a.

Im Erdgeschoss befindet sich ein Hörzentrum. Wie ist der Name dieses Zentrums? Der erste Buchstabe dieses Namens laut seinem Stellenwert im Alphabet umgewandelt in eine Zahl (a=1, b=2 ... z=26) ergibt b.

Wie heißt die dort ansässige Hals-, Nasen- und Ohrenärztin mit Vornamen? Der erste Buchstabe dieses Namens ebenso umgewandelt in eine Zahl ergibt c.

Berechnet den Weg zu Stage 2 wie folgt:

N 50° 3 a . b (b-1) c E 8° 40 . (a+b) (c*2) (c+b+1)


Stage 2: N 50° 3_ . _ _ _ E 8° 40 . _ _ _

In diesem Haus befand sich die ehemalige Gestapo-Zentrale von Gießen. Hier wurden während der Naziherrschaft Menschen inhaftiert, verhört, drangsaliert und gefoltert. Im Keller dieses Hauses soll sich ein wahrer Folterkeller befunden haben.

Welche Hausnummer hat das Haus? Die erste Ziffer dieser Zahl ergibt d.

Am Haus befindet sich eine Bronzetafel. Findet diese und lest sie Euch durch. Bis wann befand sich hier das jüdische Bankhaus Herz? Diese Jahreszahl ergibt e, f, g und h.

Berechnet den Weg zu Stage 3 wie folgt:

N 50° 3 (h-g) . d h (c+d+e) E 8° 40. (f-g) (f-a) (e-b)


Stage 3: N 50° 3 _ . _ _ _ E 8° 40. _ _ _

Hier steht ihr vor dem ehemaligen Gießener Gestapo-Gefängnis.

Schaut Euch das Gebäude an. Links der Tür befinden sich gelbe Fenster innerhalb von anderen Fenstern. Wie viele gelbe Fenster sind dort? Die Anzahl ergibt i.

Rechts und links vom Eingang befinden sich Lampen, die an die Hausmauer geschraubt sind. Wie viele Lampen befinden sich hier? Die Anzahl ergibt j.

Wenn ihr an der Vorderfront des Hauses sucht, findet Ihr eine Gedenktafel, die erzählt, wer hier früher einmal wohnte. Wann wurde dieser Mann geboren? Die letzten drei Ziffern dieser Jahreszahl ergeben k, l und m.

Berechnet den Weg zum Final wie folgt:

N 50° 3 l . j l (j+m) E 8° 40. k (k+m) (i+j)


Final: N 50° 3 _ . _ _ _ E 8° 40 . _ _ _

Zum Final ist es nun nicht mehr weit. Da dieser nicht direkt an Stage 3 versteckt werden konnte, befindet er sich hier.


Hilfstabelle:

a =

b =

c =

d =

e =

f =

g =

h =

i =

j =

k =

l =

m =

Verschlüsselter Hinweis   Entschlüsseln

Fgntr 1: Qnf Unhf vfg benatr zvg fpujnemrz Tvrory.

Fgntr 2: Qnf Unhf vfg ebfn.

Fgntr 3: Uvre unaqryg rf fvpu ahe hz qra nygra Grvy qrf Unhfrf. Qre arh Naonh oyrvog nhffre Npug.

Svany: Nz Obqra uvagre rvare Rvasnffhat, qverxg nz Nasnat.

A|B|C|D|E|F|G|H|I|J|K|L|M
N|O|P|Q|R|S|T|U|V|W|X|Y|Z

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Logeinträge für Feindsender    gefunden 29x nicht gefunden 2x Hinweis 0x

gefunden 10. Oktober 2016, 18:51 weissaberkeinen hat den Geocache gefunden

Heute eine kleine Feierabendrunde durch die Stadt gemacht. Die Dose Dank Spoiler schnell entdeckt. Vielen Dank fürs Näherbringen der Gießener Geschichte und Auslegen des Caches.

gefunden 28. Januar 2016, 18:10 sunshinedine hat den Geocache gefunden

Nachdem ich letztes Jahr Erfolglos im Dreck wühlte, zeigte sich die Dose heute sofort. DfdC

gefunden 21. Januar 2016 kade1964 hat den Geocache gefunden

Was eine düstere Vergangenheit sich hinter Gießens Türen versteckt.
Habe ich so noch nicht in Erfahrung gebracht. Und doch auch erfüllt es mit Stolz Gießen als Heimatstadt zu nennen, wenn man weiß dass es hier Widerstandskämpfer gab.
Und wieder an vielen so bekannten Stellen vorbei gekommen und erneut die Augen geöffnet zu bekommen. Für diese Geschichtsstunde heute von mir meinen herzlichen Dank und das leicht auszumachende Versteck.
Grüße an den neuen Owner und dass diese Geschichtsstunde dann noch lange bestehen bleiben wird.
TFTC
Schon allein wegen der Aufbereitung der geschichtlichen Ereignisse und Einbettung zu diesem Walk of Memories gibts von mir hier ein blaues Schleifchen.

gefunden auf GC

gefunden 17. Juli 2015 Muzzle hat den Geocache gefunden

Bilder für diesen Logeintrag:
Eintrag ins LogbuchEintrag ins Logbuch

nicht gefunden 09. Juni 2013, 18:00 Kerstin5253 hat den Geocache nicht gefunden

Der erste Cache mit meinem Mann. Leider erfolglos! Der Final wollte sich einfach nicht finden lassen...

Ich (als absoluter Newbie) habe von einem Spoilerbild gelesen - sehe aber keins im Eintrag. Nur ein Logbild, dass mir nicht weiterhilft.